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Zwischenfrage

Warum hat die Vergangenheit, in der man noch nicht da war, weniger Schrecken als die Zukunft, in der man nicht mehr da sein wird?

Harald Welzer, Nachruf auf mich selbst

Absitzen

Die Vorstellung der Momentaufnahme. Der Snapshot. Eine Art Polaroid vom geistigen Zustand, im Augenblick. Natürlich geht es auch darum, was drauf ist, auf dem Bild. Aber ebensosehr um die ART der Bildherstellung, das Vorgehen bei der Produktion, die Methode, was ganz Formales also. Sich zu erinnern, nicht an früher, sondern an jetzt.

Rainald Goetz, Abfall für alle

Foto: Mennel, Aschersleben, Grafikstiftung Neo Rauch

Tonband 1

Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen. Manchmal, die Kerze war kaum gelöscht, fielen mir die Augen so rasch zu, daß keine Zeit blieb, mir zu sagen: Ich schlafe ein.

Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Foto: Wolfgang Mennel, Tonband #1

Tonband 2

Ich schlief wieder ein und wachte dann manchmal nur noch für Augenblicke auf, gerade lang genug, um das organische Knacken der Täfelung zu vernehmen, die Augen zu öffnen und auf das Kaleidoskop der Dunkelheit zu richten, dank einem kurzen Aufschimmern des Bewußtseins den Schlaf zu kosten, in den die Möbel versunken waren, das Zimmer, dies Ganze, von dem ich nur ein kleiner Teil war und in dessen Fühllosigkeit ich gleich wieder einging.

Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Foto: Wolfgang Mennel, Tonband #2

Lichtkrümmung

(...) Ist die Änderung der Flugbahn von Projektilen, die in Wasser einschlagen, mit der Krümmung von Lichtstrahlen beim Eintritt in Wasser verwandt? (...) Haben Sie sich schon mal medizinischen Prozeduren unterzogen, die das Einführen optischer Geräte zur Inspektion Ihrer Innereien erforderten? (...)

Padgett Powell, Roman in Fragen

Foto: nn, Radiologische Praxis

Photographieren

Wenn, wie es häufig geschieht, Menschen auf nebeneinanderstehenden Stühlen sitzen und dabei einige Kinder zwischen ihre Knie geklemmt haben, so kann dieses Bild keinen angenehmen Eindruck machen: die Köpfe der Kinder werden hier zum Verkauf angeboten. Die Eltern scheinen sich übrigens nicht zu bemerken oder nicht zu beachten, sie schauen geradeaus. Allerdings sind sie günstig beleuchtet.

Ror Wolf, Raoul Tranchirers vielseitiger großer Ratschläger für alle Fälle der Welt, Schöffling & Co
Foto: nn, ca. 1915, Wangen im Allgäu

warten, abwarten

Warten

So kann ich davon träumen, wie ich einmal das Gehen lernte. Doch das hilft mir nichts. Nun kann ich gehen; gehen lernen nicht mehr.

Walter Benjamin, Berliner Kindheit um Neunzehnhundert
Foto: Wolfgang Mennel, um Zweitausendzwanzig

nature morte

Man hat das déjà vu oft beschrieben. Ist die Bezeichnung eigentlich glücklich? Sollte man nicht von Begebenheiten reden, welche uns betreffen wie ein Echo, von dem der Hall, der es erweckte, irgendwann im Dunkel des verflossenen Lebens ergangen scheint.

Walter Benjamin, Berliner Kindheit um Neunzehnhundert
Foto: Wolfgang Mennel, 3.7.2021

Landschaft 1

Wie authentisch sind Bilder, die gemacht, manchmal provoziert werden, um Bilder zu haben, weil das, was auf den Bildern zu sehen ist, ohne Kamera gar nicht passiert wäre? Bürgt die Vielzahl der Bilder dafür, dass das, was sie zeigen, tatsächlich passiert ist?

Kurt Kister, SZ, 24./25.07.2021
Foto: Mennel, 2020

Landschaft 2

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I -
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

aus: Robert Frost, The road not taken
Foto: Mennel, 2021

Pony 1

And I hope my Pony
I hope my Pony
I hope my Pony
Knows the way back home.

Tom Waits, Pony
Foto: Wolfgang Mennel, Pony

Pony 2

Nehmen wir die ältesten uns bekannten Bilder (etwa das eines Ponys in Peche-Merle) als Beispiel. Es geht um an Felswänden festgehaltene Anschauungen. Der Bildermacher ist dabei von einem einem Pony zurückgetreten, hat es sich angeschaut, hat das flüchtig Ersehene ins Gedächtnis der Wand eingetragen, und er hat dies so getan, damit andere das Ersehene wiedererkennen.

Vilem Flusser, Krise der Linearität, in: absolute
Foto: Wolfgang Mennel, Pony

Pony 3

Wie könnte das Bild eines Pferdes ein "wahres Bild" sein, ohne ein falsches Pferd zu sein?

Aurelius Augustinus, Selbstgespräche

studium

„Aus studium interessiere ich mich für viele Photographien, sei es, indem ich sie als Zeugnisse politischen Geschehens aufnehme, sei es, indem ich sie als anschauliche Historienbilder schätze: denn als Angehöriger einer Kultur (diese Konnotation ist im Wort studium enthalten) habe ich teil an den Figuren, an den Mienen, an den Gesten, an den äußeren Formen, an den Handlungen.“

Roland Barthes, Die helle Kammer

Foto: Mennel, Wegtauchen

punctum

„Das zweite Element durchbricht (oder skandiert) das studium. Diesmal bin nicht ich es, der es aufsucht (wohingegen ich das Feld des studium mit meinem souveränen Bewußtsein ausstatte), sondern das Element selbst schießt wie ein Pfeil aus seinem Zusammenhang hervor, um mich zu durchbohren. […] Das zweite Element, welches das studium aus dem Gleichgewicht bringt, möchte ich daher punctum nennen; den punctum, das bedeutet auch: Stich, kleines Loch, kleiner Fleck, kleiner Schnitt - und Wurf der Würfel. Das punctum einer Photographie, das ist jenes Zufällige an ihr, das mich besticht (mich aber auch verwundet, trifft).“

Roland Barthes, Die helle Kammer

Foto: Wolfgang Mennel, mare nostrum 16

Der richtige Augenblick

oder The Hunting of the Snark.

They sought it with thimbles, they sought it with care;
They pursued it with forks and hope;
They threatened its life with a railway-share;
They charmed it with smiles an soap.

Lewis Carroll, The Hunting Of The Snark
Foto: Wolfgang Mennel, Sehr schnell

Da kommt was zusammen

Umbildung von Identität bedeutet immer auch Umbau des Gedächtnisses - auch das gilt, wie wir wissen, für Gemeinwesen nicht weniger als für Individuen.

Aleida Assmann, Erinnerungsräume, 62
Wolfgang Mennel, Generationen verpackt (Detail), Fotografie, Acetathüllen

warten, abwarten

Nikon

Die Nikon D3S gibt Profis Kontrolle über das Unvorhersehbare und erweitert die Möglichkeiten für Action-Fotografen in jeder Situation.

Nikon, Werbung, 2010
Foto: Wolfgang Mennel, Lake Fake

Alles. Alles? Alles! Alles.

Heute kann man alles fotografieren.

Robert Frank
Wolfgang Mennel, Lumière

Das Haus

Denn das Haus ist unser Winkel der Welt. Es ist - man hat es oft gesagt - unser erstes All.

Gaston Bachelard, Poetik des Raumes

Foto: Wolfgang Mennel, Transsylvanien

Kaffeemaschine

Wohlgemerkt, dem Haus ist es zu danken, daß eine große Zahl unserer Erinnerungen "untergebracht" sind, und wenn das Haus etwas kompliziertere Gestalt annimt, wenn es Keller und Speicher, Winkel und Flure hat, dann bekommen unsere Erinnerungen mehr und mehr charakteristische Zufluchtsorte.

Gaston Bachelard, Poetik des Raumes
Wolfgang Mennel, Ilmenau, Wiesenweg 24 (4)

Sonne und Mond

Denn wenn es zwei Dinge gab, die Watt nicht mochte , so war eins davon der Mond und das andere die Sonne.

Samuel Beckett, Watt

Der Mond ist aufgegangen

Passen Sie auf, es ist ein Foto, also ist es wahrscheinlich gefälscht.

Joan Fontcuberta

Foto: Mennel, Laterne

mare nostrum

wild

mare nostrum

sicher

mare nostrum

ordentlich

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